
Mutterseelenallein – Einsamkeit verstehen
Einsamkeit bedeutet nicht unbedingt, allein zu sein. Manchmal begleitet uns das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören oder mit unserem inneren Erleben allein zu sein. Wir sehnen uns nach Nähe und ziehen uns gleichzeitig zurück, sobald jemand uns näherkommt.
Wenn ein Kind mit seiner Not allein bleibt
Ein kleines Kind braucht Menschen, die seine Gefühle wahrnehmen und ihm helfen, mit Angst oder Verzweiflung umzugehen. Fehlt diese Unterstützung wiederholt, kann es lernen, seine Bedürfnisse weniger zu spüren, sich zurückzuziehen oder besonders selbstständig zu werden.
Solche Erfahrungen müssen später nicht bewusst erinnerbar sein, um unsere Entwicklung und unser Verhältnis zu Nähe und Trennung mitzuprägen. Ein historisches Beispiel sind die DDR-Wochenkrippen, in denen manche Säuglinge und Kleinkinder auch über Nacht von ihren Eltern getrennt waren. Wie ein Kind diese Betreuung erlebte, hing jedoch von vielen Umständen ab; spätere Schwierigkeiten lassen sich daraus nicht einfach ableiten.
Wenn wir den Kontakt zu uns selbst verlieren
Das NeuroAffektive Beziehungsmodell (NARM®) betrachtet solche frühen Anpassungen als mögliche Schutzstrategien. Was uns früher geholfen hat, kann heute die Verbindung zu unseren Gefühlen, Bedürfnissen und anderen Menschen erschweren. Wir möchten Nähe und schützen uns zugleich davor.
Wenn Einsamkeit in der Therapie auftaucht
In der Therapie kann eine bisher wenig spürbare Einsamkeit deutlicher werden, wenn wir uns weniger mit unseren Schutzstrategien identifizieren. Im NARM wird der Zusammenhang von Desidentifikation → Einsamkeit → Freiheit beschrieben. Das kann ein Zeichen von Veränderung sein, muss es aber nicht. In einer tragfähigen therapeutischen Beziehung können wir erkunden, was diese Einsamkeit bedeutet, ohne mit ihr erneut allein bleiben zu müssen.
Die ausführliche Vertiefung findest Du im Blogartikel „Mutterseelenallein – wie frühe Erfahrungen unser Verhältnis zu Nähe und Einsamkeit prägen können“.
