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Ein Stein im stillen Wasser

Deep Brain Reorienting (DBR®)

Deep Brain Reorienting wurde von dem schottischen Psychiater Dr. Frank Corrigan entwickelt. Die körperorientierte Methode dient der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen, insbesondere auch früher Bindungsverletzungen. Das Besondere an DBR ist die Aufmerksamkeit für sehr frühe körperliche Reaktionen, die einer intensiven emotionalen Reaktion vorausgehen können. Dabei spielt die sogenannte Orientierungsspannung eine zentrale Rolle.

Wenn wir etwas Bedrohliches erleben, reagiert unser Körper oft, bevor uns die damit verbundenen Gefühle bewusst werden. Diese erste Reaktion kann sich als feine Spannung um die Augen, in der Stirn oder im Nacken zeigen. In der therapeutischen Arbeit versuchen wir, diese Orientierungsspannung behutsam wahrzunehmen. Sie kann während der Verarbeitung als körperlicher Anker dienen und dabei helfen, auch bei schwierigen Gefühlen mit dem gegenwärtigen Erleben in Kontakt zu bleiben.

Bei DBR geht es weniger darum, das Erlebte gedanklich zu verstehen, sondern darum, die damit verbundenen körperlichen Reaktionen und Gefühle wahrzunehmen und ihre Verarbeitung zu ermöglichen. Die Orientierungsspannung kann helfen, emotionale Überwältigung zu begrenzen. Sie bietet jedoch keine Garantie dafür, dass während der Verarbeitung keine intensiven Gefühle oder dissoziativen Reaktionen auftreten.

In meiner Praxis sehe ich DBR als ein ergänzendes Werkzeug innerhalb einer körper- und beziehungsorientierten Therapie.

Häufige Fragen zu DBR®

Wie läuft eine DBR-Sitzung ab?

Zunächst schauen wir gemeinsam, welches Anliegen Dich beschäftigt und ob DBR dafür ein geeigneter Zugang ist.

Bei der eigentlichen DBR-Arbeit greifen wir einen bestimmten Moment einer belastenden Erfahrung auf.

Anschließend richten wir die Aufmerksamkeit auf die Orientierungsspannung. Wir nehmen uns Zeit, sie wahrzunehmen und zu beobachten, wie sie sich verändert.

Dabei können weitere Körperempfindungen, Gefühle oder Erinnerungen auftauchen. Ich begleite Dich durch diesen Prozess. Gemeinsam achten wir darauf, dass Du mit dem gegenwärtigen Moment verbunden bleibst und das Tempo für Dich angemessen ist.

Muss ich bei DBR mein Trauma noch einmal durchleben?

Du musst Dein Trauma nicht ausführlich schildern oder Dich absichtlich noch einmal einer überwältigenden Erfahrung aussetzen.

Bei DBR arbeiten wir mit einem ausgewählten Moment und den damit verbundenen körperlichen Reaktionen. Dabei können auch belastende Gefühle und Empfindungen auftreten.

Für welche Erfahrungen und Belastungen eignet sich DBR?

DBR wurde insbesondere für die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen entwickelt. Dazu können einzelne überwältigende Ereignisse gehören, aber auch belastende Erfahrungen aus frühen Beziehungen.

Manchmal reagieren wir noch Jahre später auf bestimmte Situationen mit intensiven Gefühlen oder körperlicher Anspannung, obwohl die ursprüngliche Erfahrung längst zurückliegt.

DBR bietet einen möglichen Zugang, solche Reaktionen und die damit verbundenen Erfahrungen therapeutisch zu bearbeiten.

Ob diese Methode für Dich und Dein Anliegen geeignet ist, klären wir gemeinsam.

Was unterscheidet DBR von NARM®?

Beide Ansätze beschäftigen sich mit den Folgen belastender Erfahrungen, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.

Bei NARM® schauen wir besonders darauf, wie frühe Beziehungserfahrungen unsere heutigen Überlebensstrategien, unser Selbstbild und unsere Beziehungen beeinflussen. Dabei beziehen wir auch unsere Körperempfindungen und die Regulation des Nervensystems ein.

DBR richtet die Aufmerksamkeit gezielter auf die frühen körperlichen Orientierungs- und Schockreaktionen, die mit einer überwältigenden Erfahrung verbunden sein können.

In meiner therapeutischen Arbeit können sich beide Ansätze ergänzen.

Was passiert, wenn während einer DBR-Sitzung starke Gefühle auftauchen?

Während einer DBR-Sitzung können intensive Gefühle oder ungewohnte Körperempfindungen entstehen. Das kann verunsichern, besonders wenn Du solche Reaktionen bisher als überwältigend erlebt hast.

Wir gehen deshalb langsam vor und achten darauf, wie Du den Prozess erlebst. Du kannst jederzeit mitteilen, wenn etwas zu viel wird oder Du eine Pause brauchst. Dann können wir innehalten, uns neu orientieren oder die Arbeit unterbrechen.

Du musst dabei nichts aushalten oder erreichen. Entscheidend ist, dass wir einen Umgang mit dem auftauchenden Erleben finden, der Deine persönlichen Grenzen berücksichtigt.

Ist DBR auch online möglich?

Ja. Bei DBR leite ich Dich an, auf feine körperliche Empfindungen zu achten, und begleite Dich dabei im Gespräch. Das ist auch per Video möglich und erfordert keine Berührung durch mich. Ob dieses Format für Dich und Dein Anliegen geeignet ist, klären wir gemeinsam.

Mehr zur Online-Therapie

Ist die Wirksamkeit von DBR wissenschaftlich untersucht?

Ja. In einer 2023 veröffentlichten Studie wurden 54 Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) zufällig einer DBR-Behandlung oder einer Wartelistengruppe zugeteilt. Die acht DBR-Sitzungen fanden per Video statt. In der Behandlungsgruppe gingen die PTBS-Symptome deutlich stärker zurück als in der Wartelistengruppe.

Die Ergebnisse sind ermutigend. Allerdings befindet sich die wissenschaftliche Untersuchung von DBR noch in einem frühen Stadium.

Größere Studien und direkte Vergleiche mit etablierten Traumatherapien sind notwendig, um die Wirksamkeit und die Grenzen der Methode genauer beurteilen zu können.

Die Studie verglich Online-DBR nicht mit DBR in der Praxis.

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